Körper & Seele

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Foto: © iStockphoto.com / drewhadley

Mit beinahe 2 Quadratmetern Fläche stehen wir mit unserer Umwelt in engstem Kontakt – so groß ist die Oberfläche unserer Haut. Durch die unterschiedlichsten Kosmetika und Pflegeartikel versuchen wir, uns vor Umwelteinflüssen zu schützen, setzen sie damit aber auch verschiedenen Chemikalien aus. Umgekehrt wirken wir durch die Nutzung von Kosmetika auch auf Natur, Tier- und Umwelt ein.

(K)ein Herz für Tiere

Allein in Europa werden jedes Jahr 5 Milliarden Kosmetikprodukte verkauft. Alle Substanzen in diesen Produkten werden auf eine schädigende Wirkung auf den Menschen und die Umwelt getestet. Diese Tests wurden und werden auch an lebenden Tieren durchgeführt – etwa an Mäusen, Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen. An ihnen wird ausprobiert, ob eine Substanz z. B. krebserregend ist, Allergien auslöst oder geburtsschädigend wirkt.

Zwar haben einige EU-Staaten, darunter auch Deutschland, Tierversuche für Kosmetik verboten, erlauben jedoch weiterhin den Verkauf von „Tierversuchs-Kosmetika“ aus anderen Ländern. Gerade in Frankreich, aus dem 37 Prozent unserer Kosmetikimporte stammen, werden noch Tierversuche in der Kosmetikindustrie durchgeführt. In Deutschland können Tierversuche zur Prüfung von Rohstoffen, die nicht nur in Kosmetika, sondern auch in anderen Produkten verwendet werden, uneingeschränkt durchgeführt werden. Zudem ist es erlaubt, dass deutsche Kosmetikfirmen Tierversuche im Ausland durchführen lassen. Für die EU gilt seit dem 11. März 2009 ein Verkaufsverbot von Kosmetikprodukten und -inhaltsstoffen, die an Tieren getestet wurden. Für einige Tests, für die es noch keine Alternativmethoden gibt, gilt jedoch eine längere Frist bis zum 11. März 2013.

Auch aufgrund steigender Zahlen von Allergikern wachsen in den letzten Jahren die Verkaufszahlen von Naturkosmetik. Da Naturkosmetik aber kein geschützter Begriff ist, sagt dies jedoch wenig darüber aus, ob die Inhaltsstoffe unter ökologischen und sozialen Bedingungen hergestellt wurden. Sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene wird derzeit an einer Bio-Kosmetik-Richtlinie gearbeitet. Da die meisten Kosmetikartikel aus vielen Inhaltsstoffen bestehen, zu denen auch Tenside, Emulgatoren und andere Hilfsstoffe gehören, gibt es nur sehr wenige Kosmetikprodukte, die zu 100 Prozent biologisch sind. Ein Shampoo beispielsweise kann maximal zirka vier Prozent Bio-Rohstoffe enthalten. Gerade deswegen wäre ein offizielles Siegel, das zeigt, dass ein maximaler Inhalt von Bio-Rohstoffen erzielt wurde,  für Verbraucher eine große Hilfe.

Das Beispiel Palmöl:

Ein Inhaltsstoff von Kosmetika und Pflegeprodukten ist Palmöl, welches hauptsächlich in Malaysia und Indonesien angebaut wird. Insbesondere in Indonesien werden für den Anbau der Ölpalmen große Regenwaldflächen gerodet und verbrannt. Mineraldünger und chemische Pflanzenschutzmittel belasten das Grundwasser, Rodung und Monokulturen laugen den Boden aus. Bei der Gewinnung des Öls fallen zudem große Abwassermengen sowie durch Fäulnisprozesse verursachtes klimaschädliches Methangas an. Mittlerweile gibt es jedoch Bemühungen, im Bereich des Palmölanbaus auf nachhaltigen Anbau zu setzen. Das hat auch einen anderen Grund, denn radikale Anbau- und Erntemethoden führen dazu, dass der Kunde Produkte minderer Qualität erhält.

Tipps für Ihren umweltfreundlichen Einkauf

  • Schauen Sie vor Ihrem Einkauf auf die Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes. Diese verweist auf Hersteller, die keine Tierversuche durchführen und nur Inhaltsstoffe verwenden, die seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet wurden.
  • Orientieren Sie sich zum Beispiel am Warenzeichen „Hase mit schützender Hand“ (bzw. „Kaninchen unter schützender Hand“), um tierversuchsfreie Kosmetika zu finden. Das Label kennzeichnet Kosmetikprodukte, die ohne Tierversuche entwickelt und hergestellt wurden und schließt darüber hinaus aus, dass Tierversuche an Rohstoffen durchgeführt wurden oder gar von toten Tieren stammen.
  • Suchen Sie im Reformhaus nach dem neuform-Zeichen. Es kennzeichnet Naturkosmetikprodukte, die Mindeststandards an die Erzeugung und Verarbeitung (u. a. in den Bereichen Bevorzugung natürlicher Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft und sozialverträgliche Bedingungen) erfüllen.
  • Ein weiteres Label für Naturkosmetik ist das Prüfzeichen Kontrollierte Natur-Kosmetik des BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel). Es kennzeichnet Natur-Kosmetika, die die Richtlinie Natur-Kosmetik des BDIH erfüllen. Das Siegel basiert auf ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Aspekten.