Reisen & Mobilität

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Foto: © iStockphoto.com / photoGartner

Mobilität ist in unserer heutigen Gesellschaft zu einem Grundbedürfnis geworden, was sich nicht zuletzt an der Anzahl der Autos auf den deutschen Straßen ablesen lässt. Im Jahr 2006 waren mehr als 36 Millionen Personenkraftwagen in Deutschland gemeldet. Neben dem Energieverbrauch hinterlässt unsere Mobilität noch weitere Spuren in der Umwelt.

Allein an der Herstellung von Autos, Schiffen, Bussen und Bahnen sind zahlreiche Förder- und Herstellungsindustrien auf der ganzen Welt beteiligt. Das sind z. B. die Eisen- und Stahlherstellung, der Bauxitabbau zur Aluminiumherstellung, die Zink- und Bleiindustrie sowie die Platingewinnung und Kupferverhüttung für die Katalysatoren. All diese Industriezweige sind sehr energieintensiv, ressourcenbelastend und werfen große Emissions- und Abfallprobleme auf. Bis heute kann die Wissenschaft jedoch keine eindeutige Empfehlung aussprechen, wann es ökologisch günstiger ist, ein älteres Auto weiterzufahren (allein wegen des hohen Ressourcenverbrauchs bei der Herstellung) oder sich für einen umweltverträglicheren Neuwagen zu entscheiden.

Den Großteil ihrer Lebenszeit verbringen Autos stehend: auf Flächen, die durch eine andere Nutzung mehr Lebensqualität bedeuten würden. 40 Prozent der Siedlungsflächen werden von Straßen, Parkplätzen und anderen für den Verkehr benötigten Flächen in Anspruch genommen. Täglich werden in Deutschland 200.000 Quadratmeter für neue Verkehrsflächen versiegelt (Stand 2003). Durch die zunehmende Versiegelung gelangt immer weniger Regenwasser in den Boden und das Hochwasserrisiko steigt. Im Gegensatz dazu entfallen bei autofreien Stadtteilen Parkplätze, Garagen und Tiefgaragenrampen. Der Platz kann hier für wohnungsnahe Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen, Fahrradwege und eine gute ÖPNV-Anbindung genutzt werden.

Auch im Urlaub hinterlassen wir unseren ökologischen Fußabdruck. In den Urlaubsregionen steigt der Verbrauch an Wasser und Energie ebenso an wie die Menge an Abfall. In Mangelgebieten kann der Wasserbedarf in Ferienregionen nur durch das Anzapfen teils weit entfernt gelegener Trinkwasserreservoirs gedeckt werden. Stauseen und die Ableitung von Bächen und Flüssen sind an der Tagesordnung, die Absenkung des Grundwasserspiegels oft eine Konsequenz. Der angestammten Landwirtschaft wird dadurch buchstäblich das Wasser abgegraben. Verelendung und Abwanderung in Städte sind die Folge. Nicht minder schädlich ist die zunehmende Wasserverschmutzung. In vielen Regionen der Erde werden die Abwässer aus Hotels und Gastronomie ungeklärt in Bäche, Flüsse und das Meer geleitet. Ökologisch sensible Gebiete geraten, einmal für den Tourismus erschlossen, vielerorts unter enormen Nutzungsdruck.

Doch werden einige ökologisch und kulturell wertvolle Gebiete gerade wegen des Tourismus erhalten. So tragen angepasste Tourismuskonzepte dazu bei, schützenswerte Waldgebiete vor Brandrodung, Raubbau oder der Ausbreitung landwirtschaftlicher Export-Monokulturen zu bewahren. Dieses Ziel wird vom so genannten „Öko-Tourismus“, der Naturschutz und nachhaltigen Tourismus verbindet, gezielt unterstützt. Durch eine gute Reiseplanung kann also auch ein Urlaub nachhaltig gestaltet werden.

Tipps für Ihre umweltfreundliche Mobilität

Mobilität

  • Nutzen Sie - gerade für kurze Strecken - das Fahrrad als sinnvolle und oftmals sogar schnellere Alternative zum Auto. Im Vergleich zu den Niederlanden, wo für 27 Prozent aller Wege das Fahrrad genutzt wird, liegt Deutschland weit zurück. Gegenwärtig werden gerade einmal 12 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt.
  • Fahren Sie mit Bus und Bahn. Oft sind Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln schneller und, wenn Sie alle Kosten einberechnen, auch günstiger am Ziel als mit dem Auto. Zudem entfallen lästiges im Stau stehen und Parkplatz suchen.
  • Teilen Sie sich ein Auto, wenn Sie nicht komplett auf den fahrbaren Untersatz verzichten wollen. CarSharing wird in den meisten deutschen Städten angeboten. Einen Anbieter vor Ort finden Sie auf der Seite www.carsharing.de.
  • Überlegen Sie beim Autokauf, ob es der größte Wagen sein muss oder ob Ihnen nicht ein Wagen reicht, der mit weniger Material und Gewicht auskommt.
  • Geben Sie Regenwasser eine Chance abzufließen, indem Sie für Ihre Auffahrt oder Ihren Parkplatz Porenpflaster, Rasengittersteine, Rasenfugenpflaster oder Kies verwenden.

Reisen

  • Passen Sie Ihre Aktivitäten im Urlaub an die Bedinungen vor Ort an. Motocross-Touren sind sicher nicht der richtige Weg, um Regenwälder, stille Moorlandschaften oder einsame Bergregionen zu erkunden, ein bewässerungsintensiver Golfplatz passt nicht zur Wüste und Skifahrten bei frühlingshaften Temperaturen bleiben ein zwiespältiges Vergnügen, wenn Schneekanonen für gute Pistenverhältnisse sorgen.
  • Informieren Sie sich auf der Seite www.label-online.de über Umweltzeichen für besonders umweltfreundliche Unterkünfte und Reisen.
  • Setzen Sie Qualitätsansprüche an Ihren Urlaub. Der Verein Forum anders reisen zielt nicht auf den Massenmarkt, sondern auf die besonderen Qualitätsansprüche von Natur- und Kulturreisenden ab. Dem Verband gehören über 100 kleine und mittelständische Reiseveranstalter an. Angestrebt wird eine Tourismusform, die langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich machbar sowie für ortsansässige Gemeinschaften ethisch und sozial gerecht ist.
  • Große Hotelanlagen gelten im Massentourismus als ökologisch vorteilhaft, da sie in aller Regel weniger Platz, Energie und Wasser benötigen als viele kleine Ferienhäuschen. Auch die gezielte Lenkung von Besucherströmen weist ökologische Vorteile auf. Die soziale und ökonomische Wirkung von All-Inclusive-Angeboten ist jedoch umstritten.
  • Verzichten Sie beim Kauf von Mitbringseln auf die Krokodil-Ledertaschen oder die bunten Schmetterlinge hinter Glas. Geschützte Tier- und Pflanzenarten sind als Reiseandenken ungeeignet.