Spielen & Basteln

000003341974Small

Foto: © iStockphoto.com / nyul

Kinderspielzeug sieht zwar bunt und harmlos aus, ist es aber leider nicht immer. Gerade die sich im Jahr 2007 häufenden Skandale um Giftstoffe in Kinderspielzeug aus China haben bei vielen Eltern zu Verunsicherungen geführt. In der Datenbank RAPEX, dem Schnellwarnsystem für Verbraucherschutz der EU, betrifft fast jeder vierte Rückruf ein Kinderspielzeug. Gründe hierfür sind oft unzulässig hohe Gehalte an Blei, Cadmium und anderen Schwermetallen oder an Phtalaten, die als Weichmacher in Kunststoffspielzeugen verwendet werden.

Eine umfassende Studie des Umweltbundesamtes an Kindern in Deutschland zeigt u.a., dass Weichmacher in bedenklichen Konzentrationen in den Körpern von Kindern nachweisbar sind. Kinder sind besonders gefährdet, da sie wesentlich empfindlicher auf schädliche Stoffe reagieren. Ihre Organe befinden sich noch in der Entwicklung und der Stoffwechsel ist intensiver. So können beispielsweise Phtalate das Hormonsystem stören und bei Jungen die spätere Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Nitrosamine, die in Luftballons nachgewiesen wurden, sind für den Menschen stark krebserregend und Blei, das beispielsweise in Farben von Spielwaren gefunden wird, wirkt als Gift auf das Nervensystem. Es konnte zudem nachgewiesen werden, dass chronische Bleibelastungen zu einer signifikanten Abnahme des Intelligenzquotienten führen.

Zwar reagieren Kinder wesentlich empfindlicher auf die beschriebenen und andere in Spielzeug auffindbare Stoffe, doch auch die Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Spielzeugherstellung leiden unter gesundheitlichen Problemen, die durch diese Stoffe verursacht werden.

Die EU versucht, das Problem mit einer Spielzeugrichtlinie in den Griff zu bekommen. Die EU-Kommission hat derzeit die Nachbesserung der 2008 verabschiedeten Richtlinie, die 2011 in Kraft treten soll, nach massiven Protesten in Aussicht gestellt (Stand Januar 2010). Es wurde vor allem bemängelt, dass die in der Richtlinie festgelegten Grenzwerte für den Gesundheitsschutz von Kindern nicht ausreichen und weder für inländische Produkte noch Importe hinreichend kontrolliert werden. Darüber hinaus werden viele für Kinder hergestellte Produkte nicht erfasst.

Tipps für den Einkauf von umweltfreundlichem und gesundem Spielzeug:

  • Viele Kinder ertrinken in einem Spielzeugberg. Kaufen Sie lieber weniger Spielzeug, das dafür aber qualitativ hochwertiger ist.
  • Beim Spielzeugeinkauf sollten Sie auf Ihre Nase hören: PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) riechen stark nach Teer oder Mottenkugeln, und auch einige gesundheitlich bedenkliche Lösungsmittel haben einen stechenden Geruch.
  • Bevorzugen Sie Spielzeug aus Vollholz, denn aus dem Leim von Sperrholzprodukten kann giftiges Formaldehyd ausdünsten.
  • Kaufen Sie Holzspielzeug, das mit biologischen Ölen oder Bienenwachs behandelt wurde.
  • Ob Produkte verbotene Weichmacher enthalten, kann man weder sehen noch riechen. Zudem muss die Verwendung von PVC nicht gekennzeichnet werden. Auf Importprodukten wird es oft als Vinyl bezeichnet. Wer Weichmacher generell vermeiden will, sollte beim Kauf darauf achten, dass Spielsachen als „PVC-frei“ gekennzeichnet sind. Anders als PVC benötigen viele andere Kunststoffe keine Weichmacher. Als unbedenklich gilt Spielzeug aus Polyethylen und Polypropylen, das Sie an den Kürzeln PE und PP erkennen.
  • Waschen Sie Stoff- und Plüschtiere nach dem Kauf bei niedriger Temperatur in der Waschmaschine, um Rückstände von Chemikalien zu entfernen.
  • Vermeiden Sie batteriebetriebene Spielwaren. Batterien sind Problemstoffe und in Spielwaren zudem nicht immer kindersicher eingebaut.

Label:

  • Orientierung bei der Wahl eines umweltfreundlichen Spielzeugs bietet das spiel gut – Zeichen. Es kennzeichnet pädagogisch sinnvolles Kinderspielzeug, das von Fachleuten getestet und gemeinsam mit Kindern erprobt wurde. Dabei wurden sowohl ökologische als auch gesundheitliche Aspekte überprüft.
  • Gesundheitlich unbedenkliches Holzspielzeug, das über die gesetzlichen Anforderungen hinaus umweltfreundlich hergestellt und gesundheitlich unbedenklich ist, ist durch den Blauen Engel gekennzeichnet.
  • Das Zeichen „Textiles Vertrauen - Schadstoffgeprüft nach Öko-Tex-Standard 100“ kennzeichnet schadstoffgeprüfte Textilien, so auch Stofftiere bzw. Spielzeug aus Textilien.
  • Alle Spielwaren in Deutschland tragen das CE-Zeichen, mit dem der Hersteller versichert, dass er sich an europäische und deutsche Spielzeugrichtlinien hält. Da sich die Hersteller das Zeichen selbst verleihen können und Prüfungen durch eine externe Organisation nicht verpflichtend sind, ist die Aussagekraft des Zeichens gering.
  • Das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) kann vom Hersteller beim TÜV freiwillig beantragt werden. Die TÜV-Kriterien sind in allen Bereichen strenger als beim CE-Zeichen. Unseriöse Anbieter versuchen jedoch, das Zeichen zu fälschen. Käufer sollten aufgrund dessen genau hinschauen und zum Beispiel auf Rechtschreibfehler auf der Verpackung achten.
  • Noch höhere Standards als das GS-Zeichen setzt das TÜV Proof-Siegel, das speziell für Spielzeug entwickelt wurde, während mit dem GS-Siegel auch Elektrogeräte zertifiziert werden.
  • Gutes Kinderspielzeug muss nicht immer neu sein, sondern kann auch Second-Hand erworben werden.
  • Schmeißen Sie Spielzeug nicht gleich weg, wenn es kaputt gegangen sein sollte. Vielerorts helfen Puppendoktoren oder Teddykliniken bei der Reparatur von Spielzeug weiter.